20.02.2015 / Beelitz
 

Schätze hinter der Tapete

Es sind ungeahnte Schätze, die Ulrich Kobelius zu Tage gefördert hat: Ornamente über der Tür, umlaufende Schmuckbänder an den Wänden, Töne von Oliv und Altrosa. Durch mehrere Lagen Tapete und fünf Schichten Farbe hat sich der Potsdamer Restaurator in dem Zimmer in der Alten Posthalterei arbeiten müssen - und damit auch durch rund 225 Jahre Beelitzer Stadtgeschichte.

Der Raum, in dem Kobelius auf der Leiter stehend mit einem Spatel feinste Farbreste entfernt, sollte eigentlich nur renoviert werden. Seit Jahren ist er das Büro von Standesbeamtin Angela Harnack. Jetzt ist alles anders gekommen, denn nachdem die Stadt Kobelius mit Untersuchungen beauftragt hat und er fündig geworden ist, soll der Raum künftig in das Museumskonzept für dieses Haus einfließen.

"Wir wollen die Malereien sichern und so herrichten, wie sie einst waren - und wir wollen sie der Öffentlichkeit zeigen", sagte Bürgermeister Bernhard Knuth jüngst im Hauptausschuss. Das bedeutet: Besonders gut erhaltene Abschnitte der Wandmalereien werden in Sichtfenstern original zu sehen sein, über die anderen Bereiche wird eine spezielle Tapete gelegt, auf der die übrigen Bereiche rekonstruiert werden. "Befunde, die möglicherweise noch darunter liegen, werden auf diese Weise erhalten bleiben", sagt Ulrich Kobelius.

Die Alte Posthalterei wurde 1789 vom damaligen Post- und späteren Bürgermeister Gottlieb Ferdinand von Kaehne errichtet, damals, als die Stadt noch wichtiger Haltepunkt an der vielbefahrenen Poststrecke Berlin-Leipzig lag. Die wiederentdeckten Wandmalereien künden vom Wohlstand, der daraus erwachsen war. Und das nicht nur in diesem einen Raum.

Nach der Hüllensanierung des Gebäudes vor fünf Jahren hat Kobelius damit begonnen, die Wandmalereien im Torhaus zu rekonstruieren: Vasen, Zöpfe, Schmuckbänder und der schwarze Adler über der Expedition. In dem Raum, der früher die Amtsstube des Postmeisters war, befindet sich seit dem vergangenen Sommer die erste Station der Dauerausstellung "Reisegelegenheit nach Sachsen. Erfahrbare Nachbarschaft", mit der an die Postgeschichte der Stadt erinnert wird. Langfristig soll das Museum erweitert werden, denn in Beelitz gibt es noch weit mehr Geschichte zu erzählen.

Im Obergeschoss der Posthalterei hat Kobelius ebenfalls Wandmalereien freigelegt: Parklandschaften, die sehr an Sanssouci erinnern und ihre Fortsetzung im benachbarten Goethesaal finden. Der wird seit Jahrzehnten als Trauzimmer genutzt - und wird es auch weiterhin. Nur die Standesbeamten wird man künftig im Rathaus finden, wo sie demnächst ihr neues Büro beziehen wird.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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