08.12.2014 / Beelitz
 

Schäpe gibt sich ein eigenes Wappen

Der Beelitzer Ortsteil Schäpe hat eigentlich alles, was ein märkisches Dorf ausmacht: Eine lange Geschichte, eine schmucke Kirche und Wälder und Wiesen rundherum. Nur ein eigenes Wappen, das fehlte bislang. Als vor anderthalb Jahren die Idee entstand, dem Abhilfe zu schaffen, wusste noch niemand, wie viel Arbeit das bedeutet. „Es war ein schwieriger Prozess, die wichtigsten Aussagen für unser Dorf auf einem Wappen darzustellen“, berichtet Hartwig Remy.

Der Vorsitzende des Fördervereins Schinkelkirche Schäpe e.V. hatte zusammen mit dem damaligen Ortsvorsteher Siegfried Sagert die Bürger aufgerufen, Vorschläge zu machen - und damit ein großes Echo hervorgerufen. „Wir bekamen 16 sehr gute und schöne Zeichnungen, die wir im Gemeindehaus ausstellten. Dort konnten die Dorfbewohner auch gleich ihre Stimme für ihren Favoriten abgeben“, so Herr Remy weiter. Voraussetzung war, dass die Darstellungen auf dem Wappen den Ort Schäpe deutlich erkennen lassen. Der Siegerentwurf von Milena Schelk und Holger Schneider zeigte ein viergeteiltes mit dem Brandenburger-Adler, einem Eichenzweig, einem Pferdekopf und der Kirche.

Mit diesem Entwurf wandten sich die Schäper an den „Verein für Heraldik, Geneaologie und verwandte Wissenschaften zu Berlin“ (HEROLD), der seit 1869 an seinem Sitz in Berlin Dahlem die Deutsche Wappenrolle führt. Ein Wappen, das offiziell verwendet werden soll, muss darin verzeichnet sein.

Allerdings, so erfuhren die Schäper, gibt es bestimmte Kriterien, die ein solches „Hoheitszeichen“ erfüllen muss. Der Siegerentwurf aus dem Ort wurde nicht angenommen, weil unter anderem die Kirche als Gebäude nicht in einem Wappen verwendet werden könne. Auch der Brandenburg-Adler wurde gestrichen, weil er bereits für sich ein Hoheitszeichen ist. Der Eichenzweig sei indes nicht typisch und bereits auf zu vielen anderen Wappen zu sehen. All dies erklärte den Schäpern der Heraldiker Arnold Rabbow, der um Rat gefragt wurde.

Gemeinsam wurde nach einer Alternative gesucht. Die Kirche sollte aber unbedingt mit hinein, „also überlegten wir, was es darin Außergewöhnliches gibt. Da fiel mir die stilisierte Krone ein“, erinnert sich Hartwig Remy. Und so fand das Ornament neben einem weißen Pferd den Weg auf den neuen Entwurf (siehe Kasten). Fachliche Unterstützung gab es dabei vom HEROLDs-Ausschuss für die Deutsche Wappenrolle sowie dem Designer Ismet Slahor aus Frankfurt/Main.

Am 31. Oktober dieses Jahres erfolgte dann endlich der ersehnte Eintrag in die Wappenrolle unter der Nummer 35 BR. Laut dazugehörigem Wappenbrief sind durch Festlegung des Stifters - dem Förderverein Schinkelkirche Schäpe - „alle natürlichen und juristischen Personen des Ortsteils insbesondere Vereine, Verbände und Organisationen, deren Aktivitäten gemeinnützig bzw. mit der Pflege und Bewahrung der örtlichen Tradition verbunden sind“ zur Führung des Wappens berechtigt.

Mit Schäpe verfügt jetzt der sechste Ortsteil der Spargelstadt Beelitz über ein Wappen - neben Beelitz selbst, Fichtenwalde, Wittbrietzen, Busendorf und Elsholz.


Die Bedeutung des Schäper Wappens: 

Die Kombination der Hintergrundfarben Rot und Weiß (bzw. Silber) ist angelehnt an die Farben der Mark-Brandenburg.
Das weiße Pferd hat gleich in mehrfacher Hinsicht einen Bezug zum Ort: Der Name Schäpe kommt aus dem Slawischen und bedeutet „Ort, wo Schindmähren (oder Klepper) sind“. Hatten die Pferde früher in der Landwirtschaft bis zur Erschöpfung gearbeitet, so spielen sie heute vor allem in der Pferdezucht, im Reitsport und im Fremdenverkehr eine große Rolle. Mit rund 200 Tieren gibt es im Ort mehr Pferde als Einwohner.
Das viersträngige, in sich verflochtene Ornament steht für die Schinkelkirche, in der es sich auf allen Säulenkapitälen wieder findet. Dort wecken die vier Stränge Assoziationen zu den vier Evangelisten, den vier Paradiesströmen, den Himmelsrichtungen, den Jahreszeiten, den Elementen oder zu einer vierfach verflochtenen Dornenkrone. Als Glückszahl steht die vier für Ausgeglichenheit und Stabilität.
Ein Vorschlag aus Schäpe für die Bedeutung der vier Stränge außerhalb des Ornamentes: Sie könnten als die Spargelreihen gesehen werden, die Schäpe ebenfalls ausmachen.

 
Text - Bilddatei  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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