14.11.2014 / Beelitz
 

Beelitz nimmt Kurs auf die Landesgartenschau


Mit dem Sessellift schwebend durch die Bullenwiese, mit dem Kahn auf seichten Wassern zur Bockwindmühle - und zu Fuß flanierend durch blühende Gärten zwischen Wasserturm, Mühlenfließ und Nieplitzufer: Mit einer riesigen Bandbreite an Ideen nimmt Beelitz Kurs auf die Landesgartenschau 2019. Derzeit können brandenburgische Städte und Gemeinden gegenüber dem Agrarministerium ihr Interesse bekunden, Anfang kommenden Jahres wird dann in Potsdam entschieden, wer mit einer umfangreichen Bewerbung ins Rennen gehen darf. Bislang haben die Städte Seelow (MOL) und Spremberg (SPN) ihre Hüte in den Ring geworfen.

Eine wesentliche Voraussetzung für potenzielle Kandidaten ist ein Beschluss der Kommunalvertretung. Die Beelitzer Stadtverordneten werden zwar erst am 24. November in einer außerplanmäßigen Sitzung darüber abstimmen, allerdings hatten die Vertreter der einzelnen Fraktionen bereits im Hauptausschuss Mitte November durchweg ihre Zustimmung erklärt und die Gartenschau als große Chance für die Stadt bezeichnet.

Für Beelitz wäre es der zweite Anlauf: Bereits 2008 hatte sich die Stadt sich um die Ausrichtung einer Landesgartenschau beworben, den Zuschlag erhielt letztendlich Prenzlau, wo die Laga im vergangenen Jahr auch stattfand. Die Voraussetzungen für Beelitz sind heute allerdings so gut wie nie zuvor: „Das Areal am
Wasserturm haben wir rekonstruiert, die Erneuerung des Bahnhofes werden wir bis dahin auch geschafft haben“, so Bürgermeister Bernhard Knuth im Hauptausschuss. „Und wenn man heute durch die Altstadt geht, sieht man, dass bis auf ganz wenige Gebäude alles saniert ist.“ Außerdem gibt es bereits umfangreiche Planungen für den Bereich zwischen Altstadt und Nieplitz, auf die man im Zuge einer Laga-Bewerbung aufbauen kann.

Im Februar dieses Jahres hatte die Landschaftsarchitektin Anja Möller ein Konzept zur Entwicklung eines Nieplitzparkes südlich der Altstadt vorgestellt. Konkreter Anlass ist die Erarbeitung einer Regionalen Entwicklungsstrategie gewesen, mit welcher die Lokale Aktionsgruppe Fläming EU-Fördermittel für die ländliche Entwicklung in der Region binden will. Die Planungen sehen unter anderem die Wiederöffnung des Mühlenfließes sowie die Anlage von Liegewiesen, Weiden und Elementen wie einer Postkutschenstrecke en miniature, einem Garten der Lyrik, einer grünen Bühne und eines Pavillons vor.

Diese Planungen sind jetzt für eine mögliche Gartenschau-Bewerbung weiterentwickelt worden: Der Bereich südlich der Altstadt könnte zu einem von zwei Laga-Standorten werden, der zweite wäre der Park am
Wasserturm. Das in den 1920er Jahren errichtete Gebäude bietet jede Menge Raum für das Spiel mit dem Thema Wasser unter dem Motto „Alles im Fluss“: So könnten aus den vier Speiern im oberen Bereich Fontänen strömen und das Haus damit zum höchsten Wasserfall Brandenburgs machen. Im großen Wasserbehälter im Innern gäbe es die Möglichkeit für Klanginstallationen, bei denen Tropfen den Ton angeben, außerdem wäre in dem Gebäude Platz für einen Teil der Hallenschau. Auch die Funktion des Turms als Sternwarte könnte in die Laga einfließen: Der Blick in die Sterne am Himmel würde mit entsprechender Bepflanzung um einen Blick in Blumen-Sterne am Boden ergänzt. Im umliegenden Park wäre auch Platz dafür, den Grundriss der Stadt mit allen Ortsteilen nachzubilden - mit Pflanzen und den prägenden Gebäuden der Beelitz-Dörfer in Miniaturform.

Vom Areal in der Liebknecht-Straße würden die Gartenschau-Besucher in südliche Richtung geführt werden: Jenseits der Clara-Zetkin-Straße, wo die Stadt in die Landschaft übergeht, könnte man in die Welt der Gräser und Wiesen eintauchen - aus der Käferperspektive mit überdimensionalen Pflanzen am Wegesrand. Dort wäre dann auch der Startpunkt für eine Seilbahn, welche die Besucher in 50 Zentimetern Höhe im Bogen um die Altstadt führt. „Eine solche Seilbahn wäre relativ einfach zu installieren, die Eingriffe in die Landschaft wären gering“, so Anja Möller im Hauptausschuss. Und doch würde sich daraus ein völlig neuer Einstieg in die Gartenschau ergeben.

Die schwebende Reise durch die Wiesen würde an der Wassermühle enden. Dort, wo Jahrzehnte nach seiner Trockenlegung wieder das Mühlenfließ vorbeiplätschert könnte sich dann auch ein Wasserrad drehen und erneuerbare Energie produzieren. Das zweite Laga-Gelände, in das auch die Kleingärten als auch das Freibad eingebunden werden könnten, würde hier beginnen und sich bis hin zum alten Klärwerk erstrecken. Die dortigen Bauten würde man, so könnte das frühere Absetzbecken, in dem sich einst Klärschlamm befand, Platz für Veranstaltungen bieten - und das auch über 2019 hinaus. Mit einer Stahlkonstruktion könnten die schrägen Wände nach oben fortgesetzt werden und so eine Pyramide entstehen, die darüber hinaus eine neue Landmarke in der Stadtsilhouette wäre. Das runde Nachklärbecken nebenan könnte mit Blumen, die zu bestimmten Tageszeiten blühen, zu einer Blumenuhr werden. „Es ist eine der Prämissen der Gartenschauen, dass nicht mehr genutzte Liegenschaften reaktiviert werden“, erklärte der Bürgermeister.

Neben den beiden eintrittspflichtigen Hauptarealen würden viele Bereiche der Stadt darüber hinaus in die Laga einfließen - so zum Beispiel der Kirchplatz, den Anja Möller als „Garten Gottes“ ausmalte, oder die Alte Posthalterei, mit welcher das Themenspektrum der Laga um einen wichtigen Teil der Stadtgeschichte erweitert werden könnte. Auch die wieder vernässten Grenzelwiesen könnten die Besucher stark interessieren - und natürlich die
Bockwindmühle als Startpunkt für Wanderungen auf dem Spargelrundweg. Auch dorthin könnte man vom Laga-Gelände auf spektakuläre Weise gelangen: Mit einem Kahn, der durch Staken bewegt wird und sich an den historischen Kahn anlehnt, der bei archäologischen Grabungen einst am Katzenberg gefunden wurde.

 
Text - Bilddateien  © Thomas Lähns - Pressesprecher Stadt Beelitz

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