19.10.2014 / Beelitz
 
Treckertreffen mit Rekordbeteiligung in Elsholz


Es ist der letzte Samstag im Oktober: Milde Temperaturen, herbstlicher Sonnenschein – und eine Dunstglocke, die sich allmählich über Elsholz legt. Überall im Ort riecht es nach Öl und Diesel, während das Bullern von unzähligen Motoren durch die Straßen hallt. Es ist Musik im guten alten Zweitakt – für die über tausend Schaulustigen, die an den Straßenrändern stehen, vor allem aber für die Trecker-Kapitäne, die mit stolz geschwellter Brust auf ihren Maschinen sitzen. Manch einer hat die Frau neben sich, andere die Kinder. Es sind alte Bauern dabei und viele junge Leute, die auf Opas Traktor vor gar nicht allzu langer Zeit fahren gelernt haben.

Das diesjährige Treckertreffen in dem Beelitzer Ortsteil hat alle bisherigen Rekorde gebrochen: „So viele Teilnehmer hatten wir noch nie“, sagt Wolfgang Seemann, der mit den anderen „Treckerfreunden Elsholz“ während des nicht enden wollenden Korsos den Verkehr regelt. 210 Fahrzeuge, vor allem historische Landmaschinen, aber auch einige moderne sowie Autos und Transporter ziehen durch Dorf-, Fischer- und Wittbrietzener Straße sowie um den Ort herum. Neben Traktoren der Marken Lanz Bulldog, Deutz, Fendt und Fortschritt ist unter anderem auch ein gut erhaltener Wartburg der Volkspolizei dabei. Der Fahrer – stilecht in Uniform – winkt dem Publikum, während eine Puppe als Verdächtiger auf dem Rücksitz schmort. Abseits der Schaumeile gibt es Kinderattraktionen wie Karussell und Mini-Trecker-Parscour und es warten Stärkungen vom Grill und aus der Gulaschkanone. Frauen aus dem Dorf verkaufen selbstgebackenen Kuchen und die Freiwillige Feuerwehr sichert die Straßen ab.

Vor neun Jahren hatten Seemann und eine handvoll Mitstreiter die Idee, doch mal ihre alten Traktoren öffentlich auffahren zu lassen. Seemann selbst hat einen 40 Jahre alten Massey Ferguson in der Garage zu stehen. „Beim erstem Mal waren 40 Trecker zusammengekommen, im nächsten Jahr dann schon 90“, erinnert er sich. Viele Elsholzer und Einwohner der benachbarten Dörfer haben sich ihrer alten Perlen erinnert, die sie noch irgendwo im Stall zu stehen hatten, und sie wieder aufpoliert. Das jährliche Schaulaufen der Ackerkönige ist bald zum festen Termin im Kalender geworden – und das auch über weit über Beelitz hinaus. Aus dem gesamten Land kommen die Traktoren mittlerweile angetuckert. Als i-Tüpfelchen gibt es eine Medaille für die Teilnahme, „und viele sammeln die auch, möchten keine verpassen“, sagt Wolfgang Seemann.

Nicht ganz so weit hat es heute Sebastian Baum gehabt. Der Beelitzer ist mit seinem Hanomag Perfekt 300 am Morgen aus der benachbarten Stadt angereist. Das türkisfarbene Gefährt aus dem Jahr 1962 hat den Spitznahmen „Wespe“, weil es in der Mitte so schlank ist, berichtet er. Gekauft hatte Baum den Trecker vor fünf Jahren – eigentlich nur zum Holz holen. „Es ist aber schon etwas Besonders, damit zu fahren“, sagt er. Auf dem Anhänger hat die ganze Familie Platz genommen und juchzt, als sich das Gefährt in Bewegung setzt.

Das Treckertreffen ist immer auch ein wenig Anschauungsunterricht in Sachen Agrargeschichte: Von den ersten Landmaschinen aus Amerika oder der Sowjetunion, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen, über frühe DDR-Modelle wie „Aktivist“ und „Famulus“ (vom Volksmund spöttisch „Pflaumenmus“ genannt) bis hin zu den verbreiteten ZT 300, die bis zum Schluss in den LPGen genutzt wurden, ist in Elsholz alles vertreten. Manch einer hat auch noch den passenden Pflug drangehängt – im Prinzip könnte er sofort von der Straße herunter und mit der Arbeit beginnen.

Viele der alten Modelle sind tatsächlich bis heute im Einsatz – zum Pflügen, zur Heumahd, mit dem Kremser oder eben zum Holz holen wie bei Sebastian Baum. Es ist ihre Vielseitigkeit und Vielfalt, welche den Charme der Traktoren ausmacht – und der Schauwert, der bei einem solchen Aufeinandertreffen entsteht. Dafür nimmt man einmal im Jahr auch mal ein bisschen Qualm in Kauf.
  
Text Bilddatei  -  Thomas Lähns Pressesprecher Stadt Beelitz 

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