19.10.2014 / Beelitz
 
"Ich bin dann mal weg - nach Beelitz"


Mit einer Pilgerfahrt nach Beelitz ist am Wochenende der erste fertig ausgeschilderte Abschnitt des mittelalterlichen Jakobsweges zwischen Berlin und Leipzig eingeweiht worden. Knapp 20 Pilger hatten sich am frühen Samstagmorgen in Saarmund getroffen und waren von dort aus in Richtung Spargelstadt aufgebrochen. Die Strecke führte über Wildenbruch, Kähnsdorf und Schlunkendorf vor allem durch Wälder und Wiesen - sodass man einen Eindruck davon bekam, wie Menschen im Mittelalter das Reisen durch die Region erlebten.

Im Frühjahr war in Zusammenarbeit mit den Kommunen mit der Ausschilderung der gut 20 Kilometer langen Etappe begonnen worden. Initiiert hat das Projekt die Jakobusgesellschaft Brandenburg-Oderregion e.V.. Der Verein setzt sich aus Geschichts- und Kulturwissenschaftlern, Mitgliedern der Kirchen und Vertretern aus dem Bereich Tourismus, Kultur und Medien zusammen. Seit 2011 wird durch die Jakobusgesellschaft der Verlauf alter Pilgerpfade zwischen Brandenburg und Polen erforscht und Stück für Stück erlebbar gemacht. Strecken zwischen Frankfurt (Oder) und Teltow sowie Frankfurt (Oder) und Werneuchen sind bereits ausgeschildert. Jetzt weist die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Hintergrund Wanderern auch den Weg von Saarmund nach Beelitz.

Unter den Pilgern am Samstag waren Menschen ganz unterschiedlicher Alters- und Berufsgruppen. Sie schätze vor allem den gesundheitlichen Effekt des Pilgerns, sagte Beate Wolfsteller. Die Yogalehrerin aus Bärwalde im Niederen Fläming hatte vier Freundinnen aus Berlin und dem Umland zusammengetrommelt, um gemeinsam nach Beelitz zu ziehen. Darunter eine Designerin, eine Krankenshwester, eine Steuerberaterin. Natürlich spiele auch der spirituelle Aspekt eine große Rolle, erzählten sie. Drei der Frauen sind katholisch und sie alle pilgern regelmäßig. Den Anstoß dazu habe vor acht Jahren der Bestseller von Hape Kerkeling gegeben: "Ich bin dann mal weg". In dem Buch berichtet der Entertainer von seiner Reise auf dem Jakobsweg bis ins spanische Santiago de Compostela.

Auch sie sind bereits quer durch Nordspanien bis zum Grab des heiligen Jakobus gelaufen, berichteten die Berliner Pilgerinnen. "Die Landschaft ist nicht unbedingt schöner als hier, aber anders", so die Angestellte Angela Hellwig. Ein gravierender Unterschied: Die Kirchen dort würden von ihrer Lage am Jakobsweg profitieren. Eine Lösung auch für Gotteshäuser in unserer Region? Mit dem Pilgern würden sie belebt werden - ebenso wie der Fremdenverkehr, sind sich die fünf Frauen sicher. Pilger brauchen Herberge und Verköstigung, wollen die Landschaft erleben - daran habe sich über die Jahrhunderte nichts geändert.

Und so nutzte die Pilgergruppe am Samstag die Gelegenheit, sich auch die Beelitzer Altstadt anzuschauen - und die Stadtpfarrkirche zu besuchen. Dort gab es eine Einführung in die Geschichte des Hauses, das im Mittelalter durch das sogenannte Wunderblut selbst ein stark frequentierter Wallfahrtsort war. Zum Abschluss wurde dann ein gemeinsames Lied angestimmt. Und einen Stempel ins Pilgerbuch gab es auch noch - als Erinnerung und Nachweis, dass man als einer der Ersten nach vielen Jahrhunderten wieder von Saarmund nach Beelitz gepilgert ist.

Text Bilddatei  -  Thomas Lähns Pressesprecher Stadt Beelitz 

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