25.09.2014 / Beelitz
 
Normalerweise verfällt man ja nicht gerade in Begeisterung, wenn ein Pärchen seine Urlaubsdias hervorholt und zu einer breiten Erzählung über die letzte Italienreise ansetzt. Anders verhält es sich, wenn es sich bei diesem Pärchen um zwei schillernde Persönlichkeiten handelt, die man aus dem Fernsehen oder zumindest von den Titelblättern einschlägiger Illustrierter kennt. Die Schauspielerin Jutta Speidel („Um Himmels Willen“) und ihr Lebensgefährte Bruno Maccallini waren am Freitagabend in Beelitz zu Gast. Damit haben die „Freunde und Förderer der Künste in Beelitz“ nach Ursula Karusseit und Max Moor in diesem Jahr erneut zwei großartige Erzähler in die Spargelstadt geholt. Speidel und Maccallini lasen aus ihren Erfolgsroman „Wir haben doch ein Auto“.

Der Titel des Buches spielt auf den Satz an, auf den der italienische Schauspieler Maccallini seit zwanzig Jahren hierzulande viel zu oft reduziert wird. Den Satz aus der TV-Werbung, in dem ihn die hübsche aber erboste Nachbarin auffordert, sein Auto von ihrem Parkplatz wegzufahren – woraufhin er sie mit einem Cappuccino besänftigt, um am Ende mit Augenaufschlag zu gestehen, dass er gar kein Auto habe. Seinen Charme ließ er auch in Beelitz spielen: Ein gehauchtes „Buona Sera“ mit entsprechender Reaktion des weiblichen Publikums reichte schon, um seiner Jutta vor Augen zu führen, dass – anders als von ihr behauptet – doch die Eine oder Andere seinetwegen hergekommen war.

Mit jeder Menge Selbstironie nahmen die beiden ihr Publikum im mit 200 Gästen ausverkauften Tiedemannsaal an die Hand und führten es durch das südliche Italien – sowie durch die Klippen ihrer temperamentvollen Beziehung, die sie seit über zehn Jahren zwischen München und Rom führen. Sie, die genaue und reinliche Deutsche, er der gelassene und manchmal leider auch unzuverlässige Italiener. Sicher oft auch überspitzt schilderten sie ihre achttägige Reise im Camper, die Bruno bei einer Weinverkostung gewonnen hatte und die er auch unbedingt mit seiner Jutta antreten musste, als amüsanten Zusammenprall der Kulturen.

So erzählte Jutta Speidel zum Beispiel davon, wie sie südlich von Neapel einen Stau verursacht hatten, „weil er ja unbedingt durch die Berge musste“ und alles um sie herum hupte und schimpfte. Aber: „Sind die debattierenden Gemüter anfänglich noch erhitzt, stellt sich nach kurzer Zeit Humor ein. Man stellt fest, dass man sich ja von irgendwoher kennt, fragt nach den Bambini und der Großmutter...“ Bruno Maccallini erinnerte sich indes daran, wie er seiner Liebsten an der Küste zwischen Sperlonga und Gaeta eine malerische Bucht zeigen wollte, die er noch von früher kennt – die heute aber ein Paradies für Nudisten und Spanner ist. Der Aufforderung Juttas, sie „sofort von hier weg zu bringen“ konnte er leider nicht nachkommen, weil der Reifen plötzlich platt war – und er mit dem Wagenheber nicht ganz so geschickt ist.

So ging es hin und her: Im Wechsel berichteten die beiden von jugendlichen Räubern, von eigenwilligen deutschen Dauercampern („Was macht ihr hier vier Monate lang???“) oder von einem penetranten Jogger, der seine Dehnübungen am Strand machte, während Jutta nackt im Meer stand und sich nicht heraus traute - dann aber beschloss, „dass er da jetzt eben durch muss“. Dabei frozzeln sich die beiden nicht nur im Buch: Er nennt sie im Wechsel „Frau Speidel“ oder „Amore“, sie lacht lauthals, wenn er als Italiener bei einem deutschen Wort die Betonung verdrehte und so für Irritation sorgt („Mein Deutsch ist doch perfekt, eh?“).

Letztendlich hat das Abenteuer die beiden zusammengeschweißt, das machten sie deutlich. Und so übel sei das Reisen im Wohnmobil auch nicht: Im Stau könne man die Zeit nutzten, „du bist ja zu Hause und hast alles, was du brauchst“. Eines haben Speidel und Maccallini aber vor allem gezeigt: Dass auch ein Urlaubsbericht für einen sehr kurzweiligen Abend sorgen kann.

  
Text - Thomas Lähns Pressesprecher Stadt Beelitz 

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