09.09.2014 / Beelitz
 
Stadt als Museum - Tag des offenen Denkmals am 14. September in Beelitz

Wandeln in historischen Mauern, staunen über technische Meilensteine, eintauchen in frühere Jahrhunderte – das kann man am kommenden Sonntag auch in Beelitz. Am bundesweiten Tag des offenen Denkmals am 14. September beteiligen sich mehrere Vereine und Initiativen aus der Spargelstadt und präsentieren ihre baulichen Schätze dem Publikum. Das große Motto der Aktion, die seit 1996 durchgeführt wird und zu der dieses Jahr bundesweit rund 7500 Bau- und Technikdenkmale zur Besichtigung einladen, ist „Farbe“. In Beelitz sind neben der Alten Posthalterei auch der historische Wasserturm sowie die Bockwindmühle und das Heizkraftwerk in Heilstätten dabei.

Letzteres ist das erste Fernheizkraftwerk in Deutschland, das die Produktion von Elektrizität und Wärme miteinander verbunden hat – eine Idee, die noch heute als Musterbeispiel für Energieeffizienz gilt. 1902 wurde das Gebäude mit zwei Dampfmaschinen samt Drehstromgeneratoren in Betrieb genommen und versorgte völlig autark vom Netz den 200 Hektar großen Klinikkomplex mit Strom. Über unterirdische begehbare Wärmekanäle wurden die rund 60 Gebäude zudem beheizt. Im Turm wurde Wasser aufbereitet und Stangeneis als Kühlmittel produziert. 1996, zwei Jahre nach dem Abzug der Roten Armee aus Heilstätten, gründete sich ein Förderverein, der das Heizhaus mit Hilfe des Landkreises sanieren konnte und seitdem regelmäßig Führungen anbietet. Am Sonntag öffnen sich die Türen um elf Uhr. Als authentischen Leckerbissen serviert der Verein „Jauersche Würste“, wie sie in Hochzeiten der Heilstätten vor Ort von den Hausfleischereien produziert wurden. Mit dieser Kost sollten die Ernährungsdefizite der Patienten ausgeglichen werden. Meist waren es Berliner Arbeiter, die in Beelitz Heilstätten von der Tuberkulose kuriert wurden.

Noch weiter zurück in der Geschichte geht der Förderverein Beelitzer Bockwindmühle, der ab 11 Uhr das Technikdenkmal in der Trebbiner Straße öffnet und Führungen anbietet. 1792 errichtet, wurde hier bis in die 1970er Jahre Korn gemahlen – zuletzt allerdings elektrisch. Die Mühlenflügel drehten sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Zuletzt verfiel das Gebäude zusehends, sodass sich vor elf Jahren ein Förderverein zur Rettung dieser letzten Beelitzer Bockwindmühle gründete und die Rekonstruktion auf den Weg brachte. 2006 wurde das Gebäude mitsamt der Anlagen zerlegt, überarbeitet und neu aufgebaut.

Ebenfalls Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Alte Posthalterei errichtet – als Passagier- und Pferdewechselstation an der vielbefahrenen Poststrecke Berlin-Leipzig, sogar eine Gastwirtschaft wurde hier betrieben. Bis in die 1870er Jahre behielt das Haus diese Funktion, später diente es als Geschäfts- und Wohnhaus und bis heute auch als Standesamt und Bibliothek. Nach der Sanierung ab 2008 bietet es heute einen authentischen Rahmen für die aktuelle Ausstellung „Reisegelegenheit nach Sachsen. Erfahrbare Nachbarschaft“, mit welcher die Stadt an die Glanzzeiten des Postwesens im 18. und 19. Jahrhundert erinnert. Sogar Persönlichkeiten wie Goehte, Schiller, Bach oder Kleist machten auf ihren Reisen in Beelitz Rast. Zum Tag des offenen Denkmals werden ab 11 Uhr kostenlose Führungen durch die Ausstellung und das gesamte Haus in der Poststraße 16 angeboten. Zum Tagesmotto „Farbe“ kann man die historischen Wandmalereien aus der Erbauungszeit bestaunen, die im Rahmen der Sanierung freigelegt und aufgearbeitet wurden.

Der historische Wasserturm in der Karl-Liebknecht-Straße 4 gewährt indes nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Sterne. Unter der Kuppel des 1926 errichteten Turmes, der einst zur Versorgung der Stadt mit Wasser diente, befindet sich seit knapp zehn Jahren ein Spiegelteleskop, welches der damalige Förderverein zur Rettung des Turmes aus Spendenmitteln beschafft hat. Die Umnutzung der oberen Plattform zur Sternwarte mit Panoramacafé war der Abschlusspunkt der Sanierung des kompletten Gebäudes. Die „Sternfreunde Beelitz“ als heutige Nutzer des Hauses laden am Sonntag von 14 bis 17 Uhr zum Aufstieg in 44 Metern Höhe über die Stadt.
 
Text - Bilddatei  - Thomas Lähns Pressesprecher Stadt Beelitz

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